Abschlussbericht Katharina Kanke 13/14 Dejima Kunikusa (Hiroshima)

Katharina Kanke hat 2013-14 ein Jahr in der Seniorenbetreuungseinrichtung Dejima Kunikusa in Hirsohima gearbeitet. Dies ist ihr Abschlussbericht.

 

Der Abschied

Wie hast du die letzten Monate deines Freiwilligendienstes erlebt? Gab es irgendwelche Veränderungen? Wie war der Abschied von deiner Einsatzstelle?

Ab Anfang Mai habe ich in einem anderen Stockwerk gearbeitet, statt vorher im 4. nun im 5. und 6. Stock, wo die etwas wohlhabenderen Bewohner zuhause sind. Da dort einiges anders läuft als in den „normalen“ Einheiten, musste ich mich noch einmal komplett umstellen, zum Beispiel, was das Saubermachen, Tischdecken und generell den Umgang mit den Bewohnern betrifft – viele waren noch relativ selbstständig und konnten auch noch alleine auf die Toilette und baden, sodass sie keine besondere Pflege brauchten. Viele waren auch geistig noch sehr fit, und man konnte sich gut mit ihnen unterhalten.

Effektiv hatte ich dann nur noch zwei Monate, bis ich meinen Abschlussurlaub genommen und mit meiner Mutter eine dreiwöchige Reise durch Japan unternommen habe. Nach dieser Reise hatten wir noch gute vier Tage in Hiroshima, an denen ich mich noch einmal von allen verabschiedet habe. An einem Abend wurden wir auch noch von den Atokai-Chefs, der Yokoyama-Familie, zum Essen eingeladen, und am Tag vor unserem Abflug gab es noch eine kleine Abschiedsfeier mit Kuchen. Am nächsten Morgen haben uns dann zwei Mitarbeiter zum Flughafen gefahren und dort verabschiedet.

Die letzte Woche war wirklich sehr schön, aber auch traurig; es hat sich angefühlt, als würde ich meine Familie verlassen, und zwischenzeitlich habe ich nicht ins Flugzeug steigen wollen.

Die Einsatzstelle

Glaubst du, dass deine Arbeit sinnvoll war und hast du etwas dabei lernen können? Wenn ja was? Wer hat davon profitiert? Wie war die Betreuung in der Einsatzstelle? Konntest du eigene Ideen einbringen?

Ich habe auf jeden Fall etwas gelernt, und zwar, wie die Pflege alter und kranker Menschen funktioniert. Bis zum letzten Jahr war diese Bevölkerungsgruppe eher eine unbekannte Größe für mich, und vor allem mit Demenzkranken hatte ich Berührungsängste. In der Zeit im Altenheim konnte ich diese Distanz abbauen und lernen, mit den verschiedenen Leiden umzugehen, um den Bewohnern ein trotz allem angenehmes Leben zu ermöglichen.

Für mich war diese Arbeit sehr sinnvoll, und ich hoffe, dass es für die andere Seite auch so gewesen ist. Profitiert haben, denke ich, alle: die Mitarbeiter, weil sie durch meine Hilfe schneller fertig wurden, die Bewohner, weil sie jemanden hatten, der sich auch mal für eine halbe Stunde zu ihnen setzen und reden konnte ohne gleich wieder weiter zu müssen, und ich, weil ich sehr viel gelernt und viele nette Menschen und ihre Geschichten kennengelernt habe.

Die Betreuung war wie gesagt super, besonders am Anfang, als ich noch etwas unsicher war, war ständig jemand in der Nähe, den ich ansprechen konnte, wenn ich eine Frage oder ein Problem hatte, und auch später konnte ich immer darauf zählen, dass mir einer meiner Mitarbeiter – oder, wenn es um eine etwas größere Sache ging – jemand aus dem Büro weiterhelfen konnte. Wenn ich einen Vorschlag hatte, wie man etwas anders machen konnte, wurde mir immer zugehört und, wo es eine wirkliche Verbesserung war, auch recht gegeben, zum Beispiel beim Putzen.

Außerdem habe ich um Weihnachten herum eine Art „Origami-AG“ eingeführt, bei der wir uns in der Vorweihnachtszeit für eine Stunde nachmittags getroffen und gemeinsam gebastelt haben.

Japan – dein Gastland

Wie bist du mit der Kultur des Gastlandes zurecht gekommen? Was ist dir besonders aufgefallen, was ist dir leicht bzw. schwer gefallen? Hattest du einen „Kulturschock“, wenn ja, in welcher Form?

Mit der Kultur bin ich von Anfang an sehr gut zurechtgekommen, da sie mir einfach besser liegt als die Deutsche, zumindest, was das Zwischenmenschliche angeht. Ich konnte mich gut in die Arbeitsgemeinschaft eingliedern und hatte auch kein Problem damit, mich anderen unterzuordnen, auch wenn es teilweise schwer einzuschätzen war, wer wo genau in der Hierarchie stand und wie man sich demjenigen gegenüber am besten zu verhalten hatte.

Am Anfang fand ich das ständige Sich-Begrüßen und Verbeugen sehr merkwürdig, aber nach ein paar Wochen hatte ich mich daran gewöhnt.

In Japan hatte ich keinen nennenswerten Kulturschock, der kam erst, als ich wieder nach Deutschland zurückgekommen bin. Ich war teilweise wirklich erschreckt über die Unhöflichkeit der Leute auf der Straße und in den Geschäften, und als ich das erste Mal wieder auf eine deutsche öffentliche Toilette gegangen bin, wollte ich direkt wieder nach Japan fliegen. Ich erwische mich immer noch oft dabei, wie ich eine Situation sehe und denke: „Mensch, in Japan wäre das jetzt aber besser gelaufen.“

Seminare und ijgd

Wie haben dir die Seminare gefallen? Welchen Wert hatten sie für dich während deines Auslandsaufenthaltes? Wie hast du dich von ijgd zwischen den Seminaren begleitet gefühlt? Gibt es Dinge, die ijgd unbedingt verbessern sollte?

Für die organisatorischen Dinge und zum Kennenlernen der anderen Freiwilligen war das Vorbereitungsseminar wirklich gut, allerdings hat es mir in Bezug auf Japan und seine Bewohner – und vor allem meiner späteren Mitarbeiter – richtig Angst gemacht, von wegen die sind ja alle so steif und streng und Probleme ließen sich nur sehr schwer lösen. Für mich hat sich diese Furcht als unbegründet herausgestellt, aber bis zur Ankunft hatte ich schon ein sehr mulmiges Gefühl.

Das Zwischen- und das Abschluss-Seminar haben mir hingegen insgesamt sehr gut gefallen, besonders, dass wir nicht nur im Seminarraum gesessen, sondern auch Exkursionen unternommen haben, fand ich schön.

Man hat sehr viel gelernt, auch über die Grenzen des Dienstes hinaus, und der Erfahrungsaustausch mit den anderen Freiwilligen hat mir persönlich sehr geholfen.

Dadurch, dass man immer die Möglichkeit hatte, per E-Mail oder Skype jemanden beim ijgd zu erreichen, war eine Grundsicherheit gegeben, und durch Kyoko, die immer zur Stelle war, wenn es ein Problem gab, fühlte ich mich sehr gut aufgehoben.

Das einzige, was ich nicht gut fand, war, dass das Abschluss-Seminar genau in die Zeit gefallen ist, in der wir uns um unsere Studiumsplätze und Wohnungen kümmern mussten und kein Internet vorhanden war. Aber das hat sich dann ja in der zweiten Hälfte durch das Portable WiFi geklärt.

Dein Fazit

Was waren deine schönsten Erlebnisse in deinem IJFD? Wie bewertest du insgesamt deinen Freiwilligendienst? Haben sich deine Erwartungen erfüllt? Würdest du einen Freiwilligendienst weiter empfehlen? Würdest du es mit den Erfahrungen, die du jetzt hast wieder machen?

Meine schönsten Erlebnisse hingen alle irgendwie mit meiner Einsatzstelle zusammen; zum Beispiel war ich im November zusammen mit einigen Mitarbeitern und drei Frauen aus dem Partner-Altenheim in Schweden auf Miyajima, wo wir eine Rikschafahrt machen konnten.

Katharina Kanke

Ein weiteres tolles Ereignis war das Feuerwerksfestival Ende Juli, wo wir mit den Angehörigen der Bewohner zusammen erst auf der Dachterrasse gegessen und dann ein wunderschönes Feuerwerk angesehen haben.

Das Jahr insgesamt war auch wunderbar, ich habe so gut wie keine negativen Erfahrungen gemacht, dafür aber jede Menge netter Leute kennengelernt und in einem sehr angenehmen Umfeld zu sehr angenehmen Bedingungen arbeiten können. In dieser Hinsicht wurden meine Erwartungen sogar übertroffen; ich hätte nie gedacht, dass es mir solchen Spaß machen würde, in einem Altenheim mitzuhelfen.

Ich würde es auf jeden Fall wieder tun, und kann einen Freiwilligendienst jedem, der sich engagieren will, sehr weiterempfehlen.

Perspektive
Was wirst du nach dem IJFD machen, konkret und perspektivisch? (Studium, Ausbildung, Sonstiges: Name der Aktivität, Ort, Abschlussziel usw.). Hat dir der Freiwilligendienst bei der Wahl Deines Berufswunsches geholfen?

Ich werde ab Oktober Japanologie und Germanistik in Tübingen studieren und versuchen, danach einen Job mit starkem Japan-Bezug zu bekommen, vielleicht sogar in der Forschung an der Universität oder an einem Goethe-Institut.

Der JFD hat mir in der Hinsicht geholfen, dass ich in meinem Wunsch, mich noch mehr mit Japan zu befassen, bestärkt wurde, weil ich es als sehr gastfreundliches Land voller hilfsbereiter, interessanter Menschen kennengelernt habe.

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